Menschen kommen mit Zielen in eine Psychotherapie wie, dass Sie bestimmte psychische oder psychosomatische Symptome nicht mehr oder zukünftig weniger haben, bestimmte negative Gefühle weniger fühlen wollen, Entscheidungen treffen oder Vorhaben umsetzen können wollen, in bestimmten Hinsichten mit (bestimmten) anderen Menschen besser zurecht kommen wollen.

 

In einer psychodynamischen Psychotherapie (TP oder AP) arbeiten wir an solchen Zielen, indem wir über Sie als Person nachdenken, u.a.

 

·         welche Verletzlichkeiten in Bezug auf andere Menschen bei ihnen bestehen, welche basalen Bedürfnisse besonders akzentuiert sind bzw. welche Ängste sie treiben, was ihnen von oder vor den anderen passieren oder von ihnen vorenthalten werden kann,

 

·         welche entsprechenden Konflikte sie mitbringen (abhängig zu sein vs. aus Beziehungen zu fliehen / Autonomie zu leben vs. sich anzupassen  / Dinge für andere tun vs. für sich zu wünschen / sich zu verstecken vs. sich zu zeigen und zu rivalisieren),

 

·         welche Introjektionen, wie sie sind oder sein sollen, sie bestimmen,

 

·         welche entsprechenden Repräsentanzen von Beziehungen zwischen ihnen und anderen aktiv sind,

 

·         ob ihre Ichgrenzen stabil sind, ob sie gute innere Objekte zur Verfügung haben /zulassen können,

 

·         wie Sie kompensieren und bewältigen (und welche Preis die Art, in der sie das tun, dann wiederum hat, wenn sie dabei zu einseitig werden),

 

·         welches Bindungsmuster überwiegt,

 

·         welche Abwehrmechanismen von Ihnen genutzt werden,

 

·         wie ihre Ich-Fertigkeiten ausgebildet sind: Sich oder andere wahrzunehmen; den Selbstwert, Impulse und Affekte zu regulieren; positive Erfahrungen zu internalisieren, sich Möglichkeiten im Leben zu vergegenwärtigen, einen positiven inneren Dialog zu führen,

 

·         ob sie mehr durch ihre frühe Entwicklung oder spätere Traumata belastet sind,

 

·         wie ihr Körper die Dinge speichert,

 

·         wie sie Entwicklungsphasen durchlaufen haben mit welchen Konsequenzen und wie Störungen von Entwicklungsphasen ggf. zusammenwirken.

 

Von dem, was es da zu entdecken gibt, gilt zum Ersten, dass es uns in zentralen Teilen und zumindest hinsichtlich der Wucht und Permanenz, mit der es uns bestimmt, sonst meist nur vor- oder unbewusst ist bzw. immer wieder nur für kurze Momente bewusst wird. Selbst, wenn es ersatzweise im Traum bewusst werden will, bleibt es i.d.R. nicht unzensiert. Um dem entgegenzuwirken, ist es die Aufgabe des Patienten, zu versuchen, frei zu assoziieren und auf seine Widerstände dabei auch selber zu achten. Dieses freie Assoziieren, die gemeinsame Aufmerksamkeit auf innere Widerstände dabei, der Akzeptanz als Voraussetzung inkludierende therapeutische Rahmen bzw. die infolge dieser Akzeptanz Regression ermöglichende Atmosphäre in der Therapie helfen, ohnehin andrängendem Unbewussten den Weg zu bahnen. Zum Zweiten erscheint es mir relevant, dass die Entdeckungen, um die wir uns in einer psychodynamischen Psychotherapie bemühen, mit der Befriedigung oder Frustration von Bedürfnissen zusammenhängen, die einer Ebene des Basalen angehören, mehr oder weniger biologisch bedingt und Dinge sind, in Bezug auf die jeder Mensch erkennen würde, dass sie für ihn zentral sind, wenn er seine Abwehr überwinden würde. Zum Dritten ist es für die psychodynamische Theorie im Kern kennzeichnend, dass angenommen wird, dass Besonderheiten in unserem psychischen Apparat aus unseren vorherigen Erfahrungen resultieren bzw. dass das, was in der Therapie bearbeitet werden soll, Prägungen aus negativen Erfahrungen sind, vor allem aus ungünstigen Kindheitserfahrungen in sensiblen, frühen Phasen oder aus Traumata. Im Kern geht es darum, dass wir übertragen, mit Wiederholung rechnen und oft gerade dabei Wiederholung herstellen.

 

Tiefes emotionales Selbstverstehen und Bewusstheit als Ergebnis eines Prozesses wird als Schlüssel verstanden, dass dann auch eine Öffnung für wieder auch andere Gefühle und Erwartungen geschieht. Es ist evident, dass das an sich förderlich ist und dass so negative zwischenmenschliche Dynamiken durchbrochen werden, und auf Grund eines spezifischen Verständnisses psychischer Symptome wird auch davon ausgegangen, dass auch sie durch die Bewusstwerdung und Veränderungen auf der Ebene basaler Lebensängste und Enttäuschungen schwächer werden bzw. verschwinden. Konkret werden Symptome vor allem verstanden als kompromisshafte Ausdrucksbildung für die eigentlichen abgewehrten Ängste, Konflikte und Frustrationen. Depression ist keine gesichtslose Trauer nur auf Grund von zu wenig Aktivität, symptomatische Ängste sind verschobene eigentliche Lebensängste und Zwangshandlungen Versuche, die Gefahr von destruktiven Potentialen nach seelischen Verletzungen zu bannen. Auch somatische Symptome können Ausdruck des seelisch Verdrängten oder des nie zu sagen gelernten sein, daneben dass viele Erkrankungen das Resultat dauerhaften Stresses sind, infolge derer dauerhaft bestimmte physiologischen Parameter hochgefahren geblieben sind, die mit der Dauer Nebenwirkungen haben. Auch im Fall schwerer psychiatrischer Symptome oder von Persönlichkeitsstörungen können von einer Behandlung, bei der es um das Verstehen in dem beschriebenen Sinne geht, positive Effekte ausgehen.

 

Sofern das bis hierhin fast einfach klingt -- damit, dass in der Behandlung Widerstände auftreten, bleibt es nicht einfach, wird es meist doch komplexer. Widerstände haben mit Ängsten zu tun aber auch viel mit Selbstbehalt, denn die Übertragungen werden ja doch zumeist durch irgendetwas ausgelöst und das Loslassen gegenüber dem Auslösenden, zumindest die Akzeptanz der dabei notwendigen Eigenverantwortung, kann leicht damit verwechselt werden, die ursprüngliche Verletzung hinzunehmen und nun endgültig zu resignieren. Das Missverständnis ist ggf. schwer aufzulösen. In dem Zusammenhang werden weitere Wirkfaktoren einer psychodynamischen Psychotherapie als die Beförderung des Selbstverstehens durch gemeinsames Hinsehen und das Vermitteln von Deutungsangeboten wichtig.

 

Zum Ersten können, vor allem in einer AP, in der die Prozesse länger und intensiver sind, auch die Übertragungen im Therapieraum betrachtet werden, womit dann einhergeht, dass die schwierigen Gefühle irgendwann in den Momenten, in denen sie auftreten, sozusagen live bearbeitet werden können. Im Rahmen des intersubjektiven Ansatzes werden, was ggf. den Widerstand enorm reduziert, dabei die wechselseitigen Übertragungen und Gegenübertragungen und nicht nur die Übertragung des Patienten gemeinsam betrachtet. Z.B. damit oder im Rahmen des in der Therapie bereitgestellten Containings, der Aufnahme und ggf. Versprachlichung der belasteten Emotionen der Patientin /des Patienten durch den Therapierenden, die im zweiten Schritt in Richtung einer Perspektive zurückgegeben werden, aber eben vorsichtig und nicht vorschnell, werden zum Zweiten positive Erfahrungen in der Therapie gemacht. Positive Erfahrungen helfen immer auch über den Moment hinaus.

 

Zum Dritten kann die Schiene der Deutung der Übertragung und des tieferen Selbstverstehens resp. das Arbeiten an der Akzeptanz der Eigenverantwortung für innere Änderungen vorübergehend komplett verlassen werden und eine Orientierung am Paradigma der strukturbezogenen Therapie erfolgen. D.h. das die Angst, man selber zu sein und den anderen zu lassen, bzw. das Loslassen der Übertragung, sich zu beruhigen und zu regulieren mehr übend, anleitend und durch den Raum dafür in der Therapie nutzend abgebaut /etabliert wird. Teils unter Anleihen auch bei anderen Therapierichtungen bzw. in Überschneidung mit der Anleitung zur Findung und Nutzung von passenden Imaginationen, der Einladung zur einer träumerischen Lösungstrance, der Vermittlung von Hilfestellung zur Wahrnehmung von Ressourcen kann die Nachreifung innerer Strukturen gefördert werden. Ungeachtet der Tatsache, dass wir in der Therapie das Basale nicht leugnen, dass jeder einzelne Mensch sich selbst und darüber vermittelt den anderen Menschen zum Horizont hat, lassen sich Symbole nutzen, kann es dabei auch einmal ein bisschen transzendent werden. Neben dem Weg von Körperlichem zum Sprachlichen kann der umgekehrte Weg sinnvoll sein.